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Geschichten vom Haare schneiden

(c) by Prettylocks 2006-2012. All Rights Reserved. - Das Copyright liegt generell bei den jeweiligen angegebenen Verfassern, für die Gestaltung und Zusammenstellung bei Prettylocks. - Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des jeweiligen Verfassers bzw. von Prettylocks. Diese Geschichten sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Personen oder Begebenheiten wären rein zufällig und sind unbeabsichtigt.

 

Virginia:

 

Mein spezieller Blog

 

Von L2S.

 

 

 

Eintrag: 1. Januar 2002 - Mein großer Neujahrsvorsatz:

 

Gestern war also Sylvester, und ich habe mir einen guten Vorsatz zum neuen Jahr ausgedacht. Es wird sehr schwer werden, ihn einzuhalten, aber er wird es wert sein. Alle, die mich kennen, wissen dass ich wunderbare schokoladenfarbene schulterlange Haare hatte bis ich im Gymnasium für die Schwimmeisterschaften mir eine Glatze rasiert habe. Damit wollte ich meine hundertprozentige Leidenschaft zeigen und die Sekundenbruchteile ergattern, die mir mit langen Haaren verweigert geblieben wären. Die Glatze habe ich mir auf einer Party vor allen rasiert. Seither trage ich meine Haare in einem flotten Kurzhaarschnitt. Irgendwie sehne ich mich nach meinen langen Haaren zurück.

 

Ich, Virginia Hammel, werde mir meine Haare wieder lang und schön wachsen lassen.

 

Damit meine ich nicht, dass sie wieder schulterlang werden sollen, sondern dieses Mal sollen sie wirklich lang wachsen. Bis zu den Hüften. Lang genug, dass ich drauf sitzen kann. Ich weiß, es wird unheimlich schwer werden, es so lang wachsen zu lassen, aber wenn ich es erst beim laufen um mich schwingen lassen kann, dann wird es das wert gewesen sein. Hoffentlich wächst es gesund nach! Ich werde hier jeweils über den Fortschritt berichten.

 

 

Eintrag 13. Juni 2002 - So:

 

Es sind inzwischen nur sechs Monate ins Land gezogen, und meine Haare sind bereits bis zu meinem Kinn gewachsen, eigentlich ein ganzes Stück länger schon - fast bis zu den Schultern. Es ist schwer, genau eine Länge zu definieren, weil es durch meinen damaligen Haarschnitt in unterschiedlichen Längen herauswächst. Vielleicht sollte ich es etwas nachschneiden lassen, damit ich diese Stufen herausbekomme und es schön glatt und eine einzige Länge wird.

 

 

Eintrag 28. Juni 2002 - Der Haarschnitt:

 

Er ist ziemlich gut geworden. Aber um die ganzen Stufen zu entfernen mußte es die Friseuse bis zu meinem Kinn abschneiden. Fast kann ich es schon zu einem kleinen Pferdeschwanz zusammen binden, obwohl der dann gerade von meinem Kopf absteht. Aber immerhin ist es mein erster Schwanz in so langer Zeit. Von nun an wird es nur wachsen.

 

 

Eintrag 2. November 2002 - Wow!

 

Ich kann es nicht glauben, wie sehr dieses Nachschneiden meinem Haar geholfen hat zu wachsen. Es ist nun etwa fünf Monate her, und meine Haare hängen bereits etwa zehn Zentimeter über meine Schultern. Ich hatte völlig vergessen, wie schön es ist, wenn ich mein Haar flechten kann. Allerdings wird es unten herum etwas ausgefranst. Es fängt auch an langsamer zu wachsen. Also werde ich es besser noch einmal nachschneiden lassen.

 

 

Eintrag 13. November 2002 - So ein Mist!

 

Ich sagte der blöden Friseuse, höchstens fünf Zentimeter abzuschnbeiden, wenn es nötig ist. Sie hat zehn abgeschnitten. Zehn Zentimeter! Nun gehen meine Haare gerade noch bis zur Schulter. All die schönen Haare sind ab. Nun wird es noch länger dauern bis es wieder gewachsen ist. Die gute Nachricht: Ich habe mir jede Menge Pillen für ein schnelleres Wachstum besorgt und Shampoo, das besonders pflegt. Das Zeug ist unheimlich teuer, aber es wird sein Geld wert sein. Mein Haar sieht sehr gesund aus, und es ist eine Wonne, es in der Sonne glänzen zu sehen. Es ist wirklich gesund. Ich kann es kaum erwarten bis es meinen Rücken herunter reicht.

 

 

Eintrag 24. Juni 2003 - Kleine Probleme:

 

Die Schule ist aus, es sind Ferien! Ich habe gerade den tollsten Haarschnitt gesehen für jemanden mit meiner Gesichststruktur. Es ist verdammt schwer zu widerstehen, wenn ich einen schicken Kurzhaarschnitt sehe und ich weiß, dass ich mir eigentlich die Haare wachsen lassen will. Aber ich werde stark sein! Allerdings sind die Spitzen wieder sehr uneben. Zeit für einen Nachschnitt. Hoffentlich hört sie mir dieses Mal richtig zu: nur fünf Zentimeter, höchstens! Meine Haare sind wirklich sehr lang inzwischen geworden. Es hängt mir inzwischen bis unter meine Schulterblätter, und all die Pillen und teuren Shampoos macht es sch♫8ner als ich es je in erinnerung hatte. Die Jungs in meiner Klasse wollen alle damit spielen. Ich hatte schon vergessen, wie gerne ich mein Haar bürstete. Es macht Spaß.

 

 

Eintrag 12. Dezember 2003 - Meine Nerven:

 

Meine Haare sind jetzt wirklich fantastisch lang. Aber es ist auch nervig. Ich bin wieder in der Schwimmannschaft. Wenn ich meine Schwimmütze aufsetze, muß ich so viel Haar in sie hineinquetschen, dass es richtig komisch aussieht. Und die Chemikalien im Wasser haben es stark angegriffen. Ich muß jedes Mal nach dem Schwimmen besondere Conditioner aufbringen und einwirken lassen, sonst kann ich mein schönes Haar vergessen. Meine Mannschaft hat sogar versucht, mich zum Abschneiden meiner Haare zu überreden, damit ich besser schwimmen kann. Sie denken sogar darüber nach, eine Regel einzuführen, nach der wir uns alle die Köpfe kahl rasieren lassen sollen für die Meisterschaften. Ich soll davon ausgenommen bleiben, weil meine Haare so lang seine, aber ich fühle mich schlecht bei diesem Gedanken, dass ich eine Ausnahme sein soll.

 

Andererseits: Ich habe es fast erreicht! Es ist bis zur Hüfte jetzt. Es sieht wirklich super toll aus! Ich habe gelesen, dass es bei dieser Länge am schwersten ist, die Spitzen vor dem Kaputtgehen zu schützen. Aber meine Haare sehen noch immer sehr gesund aus. Die Mädchen in meiner Mannschaft wollen es nur immer wieder anfassen. Ich laß es immer an der Luft trocknen. Ich weigere mich, einen Fön zu benutzen; das ist nicht gut. Glücklicherweise ist mein Haar ganz gerade und hat absolut keine Wellen. Ich muß aber die Spitzen wieder nachschneiden lassen.

 

 

Eintrag 1. Mai 2004 - Das große Rasieren:

 

Keine Angst: Nicht meine Haare. Aber meine Mannschaftskolleginnen haben sich die Haare abrasieren lassen. Sie machten das auf einer Party letzten Montag. Alle machten Bemerkungen wegen meinen Haaren. Aber sie waren alle gut gelaunt während des Scherens. Als ich zuschaute mußte ich unwillkürlich mit meiner Hand durch meine Mähne fahren. Immer und immer wieder. Wenn ich nicht diesen Vorsatz gefaßt hätte, ob ich dann auch dort auf dem Hocker sitzen würde und mir die Haare abrasieren lassen würde. Ich möchte eigentlich nein sagen, aber tief in mir hatte ich doch das Bedürfnis, die Haarschneidemaschine auf meinem Kopf zu spüren. Mein Gott, ob ich mir doch irgendwann wieder eine Glatze schneiden lassen werde? Ich schaue mir gerade meinen langen Pferdeschwanz an. Er ist so dick und gesund. Ich würde total verrückt sein, ihn mir abschneiden zu lassen. Jedes Mädchen in der Schule beneidet mich darum. Noch etwa drei Zentimeter, dann habe ich es geschafft, meine Haare so lang wachsen zu lassen, wie ich mir vorgenommen hatte. Aber was mache ich dann?

 

 

Eintrag 5. Mai 2004 - Re: Eure Einträge:

 

Nur die Ruhe! Na schön, ich habe meine Meinung geändert. In dieser Nacht hat es mich einfach überkommen. Ich weiß, ich habe davon geredet, es einfach alles wieder abschneiden zu lassen, aber ich habe hier über 80 Einträge in vier Tagen daraufhin bekommen. Ihr habt ja alle recht: Es ist viel zu schön um es abzuschneiden!

 

 

Eintrag 3. Juni 2004 - Schulabschluß:

 

Der große Tag kam endlich, und meine Haare sind inzwischen dort angelangt, wo ich es wollte: ich kann mich draufsetzen. Es ist so wunderschön! Alle bestaunten es, als ich auf die Bühne ging, um meine Urkunde abzuholen. Ich habe keine Ahnung, was ich damals auf der Party dachte. Aber ich gebe zu, der Gedanke schwirrt immer noch leicht in meinem Kopf herum. Er ist aber bei weitem nicht mehr so stark wie damals. Meine aufsehenerregende Mähne ist also sicher. Ich weiß aber noch nicht, was ich in Zukunft mit ihr machen soll. Sie wird aber auf dieser Länge bleiben - eine lange Zeit! Damit ist dieser Blog fertig, denn ich habe ja meinen Vorsatz erreicht. Danke für alle Unterstützung in den letzten zweieinhalb Jahren.

 

 

Eintrag 1. September 2005 - Ich bin verrückt:

 

Ich weiß. Ich weiß es ja. Ich bin völlig verrückt. Während ich dieses schreibe bin ich wieder am Bürsten meiner hüftlangen Haare. Ich will den Gedanken aus meinem Kopf verbannen, meine Haare wegmachen zu lassen. Egal wie sehr ich es versuche, der Gedanke geht nicht vollständig weg. Es hat Jahre gedauert, es so lang zu bekommen. Und es ist gesund und glänzend wie am ersten Tag. Die Tatsache, dass ich es seit über einem Jahr nicht mehr wachsen lasse, sondern durch ständiges Nachschneiden die Länge erhalte, hat es nur noch dicker und gesünder aussehend gemacht. Ich sollte eigentlich sehr glücklich sein mit diesem wundervollen Haar!

 

Also, warum kann ich nicht aufhören an eine Kopfrasur zu denken?

 

Ich weiß nicht, was ich machen soll. Was meint ihr dazu?

 

 

Eintrag 15. September 2005 - Die Entscheidung:

 

Es ist jetzt zwei Wochen her, Leute. Ich habe alle eure Einträge aufmerksam gelesen. Und ich bin zu einer Entscheidung gekommen.

 

Trommelwirbel …

 

Ich werde mir meine Haare abrasieren lassen.

 

Eine Menge von euch werden diese Entscheidung nicht mögen, aber laßt sie mich erklären.

 

Am 12. September habe ich 42 Einträge bekommen, die alle nein gesagt haben, drei sagten, ich solle es machen. Am nächsten Tag begann ich einen Eintrag hier zu schreiben, um euch mitzuteilen, dass ich meine langen Haare behalten werde. Ich habe ihn hier herein gestellt (einige von euch werden ihn gesehen haben), und ich bekam eine Antwort darauf. Er war von einer mir unbekannten Person und sagte, meine Haare sähen wunderbar aus, aber es sei letztendlich meine eigene Entscheidung. Daraufhin habe ich meinen Eintrag wieder gelöscht und nachgedacht. Und jetzt … meine schokoladenfarbenen Haare hängen an mir herunter, und meine Hände zittern etwas … steht meine Entscheidung fest. Ich weiß noch nicht, wann ich es tun werde, aber es wird ziemlich bald sein. Also, ich werde meine Mähne noch genießen solange ich sie noch habe.

 

Ihr solltest das auch.

 

“Eine Entscheidung treffen” ist abgeschlossen. “Meine Haare wachsen lassen” habe ich wieder eröffnet und in “Haare wachsen lassen und für einen guten Zweck opfern” umbenannt.

 

 

Eintrag 25. September 2005 - Der Countdown beginnt:

 

Ich hätte nie gedacht, dass ich noch mehr Einträge hier schreiben werde. Andererseits hätte ich auch nie gedacht, dass ich mir den Kopf noch einmal rasieren lassen werde. Schon komisch! In den letzten Tagen habe ich viel darüber mit meinen Freunden und Freundinnen und mit meiner Familie gesprochen, wie ich das am besten machen werde. Wir haben den 25. April als Datum für meine Kopfrasur festgelegt. Das ist genau sieben Monate von heute. Ich dachte, es sei ein perfektes Datum, denn dann fängt es an wieder warm zu werden. Dann werden mich meine Haare nicht mehr stören, wenn es heiß wird.

 

Ich werde meine Haare “Locks Of Love” stiften. Die machen Perücken daraus für Kinder ohne Haare. Dann kann wenigstens jemand meine Haare gut gebrauchen.

 

 

Eintrag 29. September 2005 - Vergiß “Locks Of Love”!

 

Nachdem ein Fremder hier einen Beitrag schrieb, was “Locks Of Love” wirklich mit den gespendeten Haaren macht, habe ich mich entschieden, dass die meine abgeschnittene Mähne nicht bekommen werden (danke für die Information). Stattdessen werde ich sie versteigern. Der höchste Bieter bekommt meine Haare, und das Geld werde ich einer Krebsstiftung vermachen. Meine Haare werden sechs Monate zum Bieten öffentlich aushängen. Wenn ihr wollt, dann beginnt schon mal zu bieten. Aber nicht unter 500 Euro. Ich hoffe insgeheim auf etwa 2000. Noch sechs Monate und 26 Tage.

 

Nebenbei bemerkt: Ich habe mich mit der Person unterhalten, die über “Locks Of Love” geschrieben hatte. Erstens behalten die große Summen von Geld für sich selbst, und zweitens geben sie viele der eingesandten Haare nicht an bedürftige Kinder weiter, sondern verkaufen sie weiter. Alle Mädchen und Frauen haben diese härteste Entscheidung getroffen und sich von ihren Haaren getrennt, weil sie etwas Gutes tun wollten, und dann macht jemand dort einfach einen Profit damit. Das unterstütze ich nicht!

 

 

Eintrag 1. Januar 2006 - Neujahrstag:

 

Vor genau vier Jahren hatte ich an dieser Stelle kund getan, dass ich meine Haare wachsen lassen würde bis ich darauf sitzen könnte. Es war eine meiner besten Entscheidungen, die ich im Leben getroffen habe. Nun ist mein Neujahrsvorsatz, dass ich meinen Termin mit der Haarschniedemaschine im neuen Jahr einhalte. Hoffentlich wird dies eine ebenso gute Entscheidung werden. Drei Monate und 24 Tage noch.

 

 

Eintrag 10. Januar 2006 - Ich erfreue mich daran, so lange ich noch kann:

 

Ich erinnere mich, einen Film gesehen zu haben, in dem ein krebskranker Mann sagte, er werde sein Leben noch so lange genießen, wie er es kann, weil seine Tage gezählt seien.

 

Ich fühle mit meinen Haaren fast genau so. Es sind nur noch weniger als vier Monate, und ich genieße jeden Bürstenstrich, jedes Schwingen meiner Mähne beim Gehen, jeder Pferdeschwanz, den ich mir mache, jeden Zopf, den ich mir flechte, jede Hochsteckfrisur, die ich mir immer häufiger in allen Variationen einfallen lasse, und jede Locke, die ich mir in letzter Zeit ab und zu an den unteren Enden drehe. Nicht nur ich fühle so, auch meine Bekannten können ihre Hände nicht mehr aus meinen Haaren lassen, seit sie wissen, dass sie ab kommen. Ich habe auch gemerkt, dass ich öfter in den Spiegel schaue - eigentlioch bei jeder Gelegenheit. Wenn ich meine wunderbaren Haare im Spiegelbild sehe, dann wundere ich mich jedes Mal, warum ich das überhaupt machen werde. Doch dann erinnere ich mich wieder, was ich tief in mir will, und das ist ganz anders von dem, was an der Oberfläche mein Wunsch ist.

 

Falls ihr euch wundert, meine Haare sind im Moment zu einem Pferdeschwanz gebunden, und ich spiele mit ihm die ganze Zeit während ich das hier schreibe. Die Auktion hat übrigens meine Erwartungen schon weit übertroffen. Ich hatte bisher auf etwa 1000 Euro gehofft, aber ein Typ will mir 1500 geben, wenn ich mein Haar wirklich abrasieren lasse und Vor- und Nachherbilder veröffentliche. Noch drei Monate und 15 Tage, Leute.

 

 

Eintrag 1. Februar 2006 - Ein paar Änderungen:

 

Ich schwimme nicht mehr seit ich aus dem Gymnasium weg bin. Ich habe auch beschlossen, da meine Haare eh total abkommen, dass ich keine teuren Produkte mehr zur Haarpflege benutzen werde. Zudem habe ich begonnen, meine Haare mit dem Fön zu trocknen. Ansonsten wasche ich es alle zwei Tage.

 

Ich hatte darüber nachgedacht, zum Waschen in einen Friseursalon zu gehen. F♀9r die letzten paar Wochen - dann könnten die Experten dort dafür sorgen, dass meine Haare noch schön sind, wenn sie auf dem Boden liegen werden. Im Moment hängen sie offen herunter - nur falls es jemanden interessiert.

 

Zwei Monate und 24 Tage noch.

 

 

Eintrag 13. März 2006 - Das Datum kommt immer näher, und es wird immer härter:

 

Heute morgen bin ich aufgewacht und habe einfach nur geweint. Meine Haare hingen in meinem Gesicht als ich wach wurde, und der Gedanke, dass sie bald ganz verschwunden sein würden … da konnte ich mich nicht mehr halten. Das war komisch, als ich ins Bett ging hatte ich mir einen Zopf geflochten. Ich muß also sehr unruhig geschlafen haben. Der Zopf war übrigsn fast so dick wie mein Arm; meine Haare sind wirklich herrlich gesund!

 

Ich bekomme eine Menge Anfragen, dass ich in diesen Blog öfter etwas reinschreiben soll. Es tut mir leid, dass ich das bisher nicht getan habe. Es ist schwer, das zu tun. Besonders weil sie mich immer an den 25. April erinnern. Mein Gott, das Datum rückt immer näher! Ich glaube nicht, dass ich öfter etwas schreiben werde.

 

Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich das überhaupt alles durchziehen kann. Aber ich muß da wohl durch. Die Aktion hat inzwischen fast 2000 Euro eingebracht. Und ich habe der Krebshilfe von der Aktion bereits ausführlich erzählt. Ich habe Angst. Auf der anderen Seite kann ich die Nacht nicht vergessen, in der meine Mitschwimmerinnen sich die Köpfe rasieren ließen. All die schönen Haare kamen herunter. Ich hatte meine behalten dürfen.

 

Im Moment sind meine Haare offen, aber nicht gebürstet. Durch den Zopf und die unruhige Nacht ist es ein großer Wollhaufen auf meinem Kopf.

 

Ein Monat und zwölf Tage noch.

 

 

Eintrag 29. März 2006 - Das Ende der Auktion:

 

Eine gute Nachricht: Die Auktion meiner Haare brachte 4000 Euro ein! Das ist vier mal so viel wie ich gehofft hatte. Vor fünf Tagen fing es wirklich an, geld zu regnen. Und es wird noch besser: Die Mädchen der Schwimmannschaft wollen hier sein, wenn ich den Kopf rasiert bekomme. Als ich das erfuhr wollte ich weinen und lachen zur gleichen Zeit. Ich denke, dass ich endlich soweit bin, dass ich den Verlust meiner Haare akzeptiert habe. Wir werden sehen.

 

Seit ein paar Wochen ging ich nicht mehr zum Friseur. Jetzt wird es aber noch einmal Zeit dafür.

 

Noch 27 Tage.

 

 

Eintrag 5. April 2006 - Wie wird das vonstatten gehen?

 

Gerade kam ich vom Friseur zurück. Meine Haare sind nun so glatt und glänzend und weich … ich glaube, ich muß heulen. Aber ich werde stark sein. Die Friseuse sagte, dass meine Spitzen geschnitten werden müßten. Sie fragte mich, ob sie es tun solle. Zuerst wollte ich ja sagen, aber dann dachte ich, dass ich noch einmal zum Friseur gehen werde vor der Kopfrasur. Dann werde ich sie mir bis zu einem gesunden Maß zurück schneiden lassen. Das sagte ich ihr. Sie fragte mich: “Welche Kopfrasur?”

 

Wenn ich noch nie eine erstaunte Frau gesehen hätte, ich hätte dann eine vor mir gehabt. Es passiert sicher nicht jeden Tag, dass eine Frau ihrer Friseuse sagt, sie werde sich die Haare zur Glatze abrasieren lassen. Ihre Augen wurden rießig. Sie konnte nuir noch fragen warum.

 

Ich sagte es ihr. Als sie sich vom Schock erholt hatte (nach etwa zehn Minuten) fragte sie mich etwas, das ich nicht bedacht hatte. Wie würde ich meinen Kopf rasieren lassen? Es schien eine dumme Frage zu sein, aber als ich darüber nachdachte, wußte ich keine Antwort darauf. Was denkt ihr? Von vorne auf dem Mitte Kopf bis hinunter zum Nacken? Oder vom Nacken nach oben? Zuerst mit der Schere kurz schneiden? Ich könnte schon ein paar Vorschläge gebrauchen. Zur Zeit ist es in einem Pferdeschwanz. Das ist meine Lieblingsfrisur, glaube ich.

 

Zwanzig Tage noch.

 

 

Eintrag 11. April 2006 - Die Zeit wird knapp:

 

Noch zwei Wochen bis es alles ab sein wird. Mein Gott, diese sieben Monate vergingen viel zu schnell! Ich kann mich gar nicht an sie erinnern. Nur Schule, und die Angst, meine Haare zu verlieren. Aber die Angst wird fühlbar weniger. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich mir den Kopf scheren lassen werde. Und ich denke, dass der kurze Prozeß der beste ist: einfach von der Stirn bis zum Nacken durch! Kurz und schmerzlos. Als ob man ein Heftpflaster abzieht. Es wird schon komisch sein. Ich frage mich, on die Länge meiner Haare es schwerer machen wird, sie in einem Zug abzurasieren. Ich erinnere mich, dass ich tagelang geweint hatte, als ich mir das erste Mal eine Glatze scheren gelassen hatte.

 

Es hat noch jemand 4500 Euro für meine Haare geboten. Aber als ich das dem letzten Höchstbieter gesagt habe, bot er sogar 5000. Aber mit Bildern von der Schur. Ich habe die 4000 Euro bereits an die Kinderkrebshilfe geschickt. Also werde ich die restlichen 1000 für mich behalten, um das zu überstehen, was danach kommen wird.

 

Es waren verrückte sieben Monate. Aber die letzte Woche war die verrückteste. Ich fühle, als ob jeder Tick der Uhr mich näher zu meiner Glatze bringt. Jeder Strich meiner Bürste im Haar wird wertvoller für mich als der vorangegangene. Mein Haar fühlt sich so sensationell an! Ich kann es gar nicht mehr anfassen ohne in Tränen auszubrechen.

 

14 Tage noch.

 

 

Eintrag 18. April 2006 - Die letzte Woche meines Haares:

 

Meine Haare haben noch eine Woche zu leben. Das klingt sehr dramatisch, ich weiß. Aber wenn ihr eure Haare so liebtet (oder haßt) wie ich meine, dann würdet ihr auch die kalte nackte Wahrheit erkennen.

 

Zur Zeit habe ich es halb in einem Knoten und halb offen meinen Rücken hinunter hängen. Es ist komisch, wie die obere Schicht meiner Haare viel heller sind als die untere. Mein Knoten ist hellbraun mit goldenen Strähnchen, die Haare auf meinem Rücken sehr dunkelbraun wie Schokolade. Aber beide Farben sind sensationell.

 

Nur noch sieben Tage.

 

 

Eintrag 21. April 2006 - Der letzte Friseurbesuch:

 

Ich ging zum letzten mal zum Friseur. Sie hat mir etwa sieben Zentimeter abgeschnitten und dann eine Kurpackung gemacht. Meine Güte, mein Haar sieht jetzt noch schöner aus, und es fühlt sich noch besser an! So schön war es noch nie!

 

Noch vier Tage.

 

 

Eintrag 23. April 2006 - Das werde ich am meisten vermissen:

 

Wie sich mein Haar auf meinem Rücken anfühlt, wenn ich laufe.

Es zu flechten.

Es geflochten zu haben.

Es zu bürsten.

Es bürsten zu lassen.

Mich mit ihm zuzudecken.

Es zufällig in die Tür zu quetschen (ob ihrs glaubt oder nicht).

Es nach dem Schwimmen auszuwringen.

Es beobachten, wie es in der Luft fliegt, wenn ich es föne.

Es zu bürsten.

In der Schule mit ihm zu spielen.

Zuhause mit ihm zu spielen.

Überhaupt mit ihm zu spielen.

Es zu waschen.

Es auszuschütteln.

Es über meine Schultern zu werfen.

Mit meinen Fingern durch zu fahren.

Es zu bürsten.

Daran zu kauen.

Die Spange aufzumachen und es offen fallen zu lassen.

Auf ihm zu sitzen (erst seit kurzem).

Es aus meinem Gesicht zu streichen.

Leute mit ihm zu kitzeln.

Die Spitzen geschnitten zu bekommen.

Freunde mit ihm spielen zu lassen.

Es als Kissen zu benutzen.

Sagte ich schon: es zu bürsten?

 

Ich werde es unheimlich vermissen!

 

Nur noch zwei Tage.

 

 

Eintrag 24. April 2006 - Morgen ist der große Tag:

 

Ich ging zur Schule. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht. Dann hatte ich ein paar Freunde hier, die zum letzten Mal mit meinen Haaren gespielt haben. Ich konnte mich auf nichts konzentrieren. Ich habe ständig meine Finger durch meine Haare gezogen und an morgen gedacht. Wie kam dieser Tag so schnell? Es scheint als wäre es erst gestern gewesen, als ich mir meinen ersten Pferdeschwanz machen konnte. Dann habe ich geduscht und zum letzten Mal die Haare gewaschen. Ich habe es sorgfältig getrocknet und zum ersten Mal seit Monaten wieder meine teuren Produkte hinein gemacht. Ich will einfach, dass es sehr gut aussieht am letzten Tag. Ich schaue ständig zur Uhr während ich es andauernd bürste. Es ist 23.28 Uhr. Genau 32 Minuten entfernt vom 25. April. Meine Hände zittern. Aber ich weine nicht. Das hier ist mein letzter Eintrag mit meinen langen Haaren. Wünscht mir Glück! Ich sehe euch alle morgen.

 

Noch 29 Minuten.

 

 

Am nächsten Tag war der Vorsatz unverändert. Aber fünf Tage später war er erfüllt. Und er war es wert gewesen.

 

 

Eintrag 29. April 2006 - Es ist geschafft!

 

Endlich haben sich meine Nerven beruhigt. Aber: ich habe es durchgezogen. Meine Haare oder das, was davon übrig ist, fühlen sich wie Sandpapier an. Ich kann gar nicht aufhören, mit der Hand drüber zu fahren. Laßt mich vom großen Tag erzählen:

 

Ich wachte auf, und das erste, was ich tat, war meine Haare zu streicheln. Langsam ging ich ins Bad und duschte. Mein Haar sah wunderschön aus, was sicher mit den Produkten zu tun hatte, die ich am Abend zuvor ins Haar gab. Irgendwann war ich am Ende; ich konnte mich nicht mehr bewegen. Ich saß eine ganze Zeit so da und bürstete meine Haare. Endlich legte ich die Bürste weg und starrte mich im Spiegel an. Ich dachte daran, wie sehr ich meine Haare vermissen würde.

 

Vor sieben Monaten hatte ich mich entschieden, was ich an diesem Tag tun würde. Aber an diesem Morgen dachte ich nur: “Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich das überhaupt machen soll.” Das nächste, an was ich mich erinnere, ich nahm eine Schere, nahm mit der anderen Hand eine dicke Strähne meiner Haare. Ich schnitt sie ab und legte sie auf die Ablage. Ich schaute mich wieder im Spiegel an. Ich brachte nur: “Mein Gott!” hervor. Was hatte ich gemacht? Da war jetzt eine kleine Fläche mit Stoppeln neben meinem Haaransatz an der Stirn. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Meine Freunde kamen vorbei und holten mich ab. Ich hatte eine Strähne meiner Haare über die Stoppeln gekämmt, so dass man es nicht sehen konnte. Aber nach kurzer Zeit fiel Andrea auf, dass eine Stelle Stoppeln auf meinem kopf war. Sie stieß einen kurzen Schrei aus und betastete die Fläche. Ich war verlegen und rannte ins Bad. Dort konnte ich die Diskussion hören, was wohl an der Stelle passiert sei. Ich nahm die Haarschneidemaschine meines Vaters aus der Schublade und ließ die Stelle mit den häßlichen Stoppeln nicht aus dem Auge. Ich wußte, diese Stelle war nur der Anfang. Ich schaltete die Maschine ein, und die Freunde draußen wurden ganz ruhig. Dann erinnere ich mich an nichts mehr. Ich muß wohl die Maschine von der Stirn bis zum Nacken durchgezogen haben. Meine Freunde hatten inzwischen alle wieder Haare, viele längere als sie vorher hatten. Ich erinnere mich dumpf, dass ich in hysterisches Lachen ausbrach, als ich ganze Büschel von abgeschorenen Haaren auf die Ablage warf. Das nächste, was ich weiß, ich war kahl geschoren. Ich schaltete die Maschine aus und grinste. Es war geschafft! Ich ging nach draußen, und meine Freunde sahen mich erstaunt an. Einige waren böse mit mir, weil ich ihnen nicht die Möglichkeit gab, meine Haare noch einmal anfassen zu können.

 

Ich kann kaum glauben, wie sehr ich diese Glatze mag, aber ich denke, ich werde meine Haare ab sofort wieder wachsen lassen. Ich habe die abgeschorenen Haare und Bilder von mir mit Glatze am nächsten Tag abgeschickt. Das war eine gute Sache, denke ich. Ich vermisse meine langen Haare jetzt schon. Hoffentlich wachsen sie schnell! Es war so unnötig, denke ich jetzt. Für alle, die auch so etwas vorhaben: Macht es einmal im Leben; dann ist es toll! Das zweite Mal nicht mehr …